30.-31.10.2019 Gold Bluffs Beach Campground

Also gingen wir erst die empfohlene Hunderunde durch den Regenwald und fuhren dann die nicht asphaltierte, sehr kurvenreiche und steile Straße in Richtung Fern Canyon, vor dem der Campingplatz liegt. Die Straße ist nur für Wohnmobile bis 24 Fuß befahrbar (wir sind 21 Fuß lang) und endet als Sackgasse vor einer großen Schlucht. Nur Besucher des Canyon oder Camper fahren dort hinunter. Nach einigen Kilometern rauf und runter durch dichten Regenwald öffneten sich die Bäume und das Meer lag vor uns. Dort kamen wir zu einem Empfangshäuschen, bei dem wir die Übernachtung bezahlen und uns einen Platz aussuchen konnten. Dann ging es zwei Meilen weiter im Schneckentempo über eine nervtötende Schlaglochpiste und wir erreichten einen direkt am Meer schön angelegten Campingplatz mit supermodernen Sanitäranlagen und Duschen. Ich verstehe immer nicht, wie man hier und auch in Kanada super Campingplätze anlegt, aber die Zufahrt dorthin so schlecht lässt wie sie ist. Mehrmals schon sind wir Strecken gefahren, wo wir dachten, dort kann nichts und niemand sein und staunten dann über viel besuchte und gut ausgestattete Campingplätze. Holger meint, das erwarten die Gäste, weil sie sich dann mehr in der Natur fühlen. Na wie auch immer, dieser Campingplatz war besonders schön, es gab ca. 25 Plätze von den vielleicht nur 5 belegt waren. Hinter uns hohe Steilküste, links und rechts nur Dünen und vor uns kilometerlanger, menschenleerer Strand mit starken Brandungswellen. Holger bekam gleich Lust ins Wasser zu gehen und versuchte sein Glück mit einer Luftmatratze, aber die Wellen waren zu hoch und zu gefährlich. Also das übliche Programm: Strandspaziergang und Sonnenuntergang.
Weil es hier zu schön war um wieder wegzufahren, beschlossen wir am nächsten Morgen zu verlängern, aber dafür mussten wir zwei Meilen hin und zwei Meilen zurück zur Rezeption laufen.  Also insgesamt 6,5 Kilometer. Mit dem Auto über die Schotterpiste wollte keiner von uns fahren. Also gab es schon vor dem Frühstück eine lange Strandwanderung. Da es insgesamt nur zwei, schwierig zu fahrende Straßen zu diesem Teil der Küste gibt, ist auf 50 Kilometer Länge außer dem einen Campingplatz einfach nichts, nur Natur.
Den Nachmittag lag ich in der Sonne und Holger sammelte und zerkleinerte Holz fürs Lagerfeuer.
Dann war es auch schon wieder Zeit für das allabendliche Programm mit Sonnenuntergang und Campfire. Da weit und breit kein Lichtschein zu sehen war, entwickelte sich über uns ein grandioser Sternenhimmel.
Am nächsten Morgen fuhren wir die Straße noch weiter bis zum Fern Canyon, was so viel wie Farnenschlucht heißt. Hier wurde früher Gold aus dem Berg gewaschen, daher auch der Name für den Campingplatz. Die Straße dorthin war noch schlechter als bisher, es gab zwei Stellen mit tiefen Pfützen, bei denen wir lange überlegten ob wir durchfahren sollten oder nicht. Ich hätte es nicht getan, aber für Holger war es wohl eine kleine Herausforderung und glücklicherweise ging mal wieder alles gut.
Man kann durch die fast 20 Meter hohen, über und über mit Farnen und Moosen bewachsenen Schluchtwände hindurch wandern, dabei klettert man über abgestorbene Bäume und versucht trockenen Fußes durch den Bachlauf zu kommen. Die Stimmung ist in dem Canyon phantastisch, soll bei Seenebel aber noch besser sein. Hier wurden schon einige Dinosaurierfilme gedreht. Da der Hund mal wieder nicht mit durfte, wechselten Holger und ich uns bei der Wanderung ab. Als ich nach ca. einen Kilometer durch die Schlucht einen Ausstieg auf einen Trail fand, beschloss ich dort zurück zu laufen, um meine bisher noch trockenen Schuhe und Strümpfe in diesem Zustand zu lassen. Auf dem Weg nach oben begegnete mir ein Italiener, der sich verlaufen hatte. Seine Hose und Schuhe waren durchweicht und er meinte, heute wäre nicht sein Glückstag. So gingen wir zusammen weiter und fanden nach einem weiteren falsch abbiegen auch den Weg zurück. Er hatte seinen Job in Italien gekündigt und war, nach einiger Zeit bei einem Cousin in New York, allein unterwegs. Sein Plan ist alle Nationalparks der USA zu besuchen. In Denver mietete er sich ein Auto und schläft auch meistens darin, was im Yellowstonepark wohl schon sehr kalt gewesen sein muss. Danach will er noch nach Australien und da arbeiten und reisen. Ich finde es total interessant, diese vielen unterschiedlichen Reisepläne der Menschen unterwegs zu hören.
Holger machte sich inzwischen schon Sorgen und wunderte sich nicht schlecht, als ich quatschend mit dem Italiener wieder zurück kam.

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