23.-24.02.2020 Nicaragua

In Nicaragua wollten wir uns wenigstens die Küste ansehen, wenn wir schon nicht mehr Zeit für das Land hätten. So fuhren wir zu einem Strand mit dem schönen Namen Playa Popoyo, der schon ziemlich weit im Süden gelegen ist. Leider führte uns Google Maps das letzte Stück zu einem nicht befahrbaren Weg, der durch Sanddünen führte, in denen wir garantiert stecken geblieben wären. Das passiert uns in Zentralamerika mit Google öfter, der letzte Kommentar von Google Maps war: „Das letzte Stück zu Fuß gehen“, sehr witzig wenn wir in unserem Auto wohnen wollen.  Also fuhren wir die ganze Schotterpiste wieder zurück und suchten einen anderen Weg.
Endlich angekommen waren wir ganz angetan von dem rustikalen Campingplatz. Der ganze Ort schien ein sehr beliebter Surfspot bei jungen Backpacker zu sein und es gab einige Hostels rundherum. Holger ging auch surfen, aber dieses Mal schlug ihm leider eine Welle die Finne auf den Fuß und er zog sich eine stark blutende Schnittwunde zu. Damit konnte er erst mal für eine Weile nicht surfen. Wir schauten uns noch den schönen Sonnenuntergang an und mussten am nächsten Tag mal wieder weiter. Den heutigen Abend wollten wir sehr nah an der Grenze verbringen, da der kommende Übergang nach Costa Rica der langwierigste sein soll. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch im Ort Rivas, um uns im örtlichen SEPA Büro ein spezielles Ausreiseformular für den Hund zu beschaffen. Das wurde bei IOverlander empfohlen, angeblich sitzt bei der Einreise nach Costa Rica ein Drachen, der niemanden ins Land lässt, der nicht dieses spezielle Formular hat. Also fuhren wir dorthin und ein sehr netter Beamter bot uns gleich Stühle und Kaffee an. Dann schaute er unsere Einreisepapiere für Hope nach Nicaragua an und meinte, man hätte uns ein völlig falsches Dokument gegeben. Das wäre für die Einfuhr und nicht für den Transit. Er telefonierte daraufhin mehrmals  lautstark mit dem zuständigen Grenzbeamten und eröffnete uns dann, dass wir zu einem Tierarzt müssten, um ein neues Gesundheitszeugnis aus Nicaragua ausstellen zu lassen. Also gut dachten wir, wenn es hilft, unsere alte Tierarztbescheinigung aus Mexiko war jetzt auch schon älter als 14 Tage. Der Tierarzt schaute sich Hope eigentlich gar nicht weiter an, er stellte nur ein Formular aus und verlangte dafür 40 Dollar. Da fühlten wir uns doch etwas abgezockt, wahrscheinlich teilt er seine Einnahmen mit dem SEPA Beamten, zu dem wir wieder zurück fuhren. Wir wollten noch eine Bestätigung von ihm wie schon am Anfang geplant, aber er meinte, das wäre nicht notwendig, was uns sehr komisch vorkam.
Dann bevorrateten wir uns noch etwas im Supermarkt, da die Lebensmittel in Costa Rica sicher erheblich teurer sein würden. Frische Sachen wie Fleisch, Gemüse und Früchte dürfen aber nicht eingeführt werden.
Nicht weit entfernt von Rivas, direkt am größten See Nicaraguas, dem Lago Cocibolca, oder einfach Nicaraguasee genannt, hatte sich ein deutscher Auswanderer mit seiner nicaraguanischen Frau auf einem ehemaligen Farmgelände ein wunderschönes Wohnhaus und Gästehaus gebaut. Es lag auf einem Hügel mit Blick auf den See. Wir konnten unser Wohnmobil auf einem Grasgelände parken und die Dusche in einem der Gästehäuser benutzen.
Im Gespräch erzählte er uns, das er in zwei Tagen nach Deutschland fliegt, um dort den Sommer über zu arbeiten, da sie von ihren Einnahmen leider nicht mehr leben können. Seit den Aufständen im ganzen Land im Frühjahr 2018 blieben die Touristen weg. Die sozialistische Regierung um Herrn Ortega, der sich angeblich immer wieder ins Amt schummelt, kann das Land nicht voranbringen. Nicaragua gilt als eines der ärmsten und rückständigsten Länder Lateinamerikas. Bei unserer Durchfahrt haben wir auch sehr viele ärmliche, einfache Hütten in den Dörfern gesehen und noch viele Pferde- und Rinderkutschen statt Autos oder Motorräder. Dafür sind das Gesundheitssystem und die Schulbildung für alle kostenlos. Anders als El Salvador, das auf Handelsbeziehungen mit den USA setzt und auch den Dollar als offizielle Währung hat, kann Nicaragua mit seiner Regierung nicht auf große Unterstützung aus Amerika hoffen.
Jedenfalls war Michael der deutsche Auswanderer ziemlich frustriert und die beiden hatten sich das mal anders vorgestellt, als sie vor fast 15 Jahren hierher kamen. Als wir uns so unterhielten, turnte neben uns im Baum ein Affe herum. Michael meinte, das wäre ein Spinnenaffe, später hörten und sahen wir auch wieder Brüllaffen in den hohen Bäumen.
Wir gingen noch zum See und ich schwamm etwas in den hohen, fast meerähnlichen Wellen. Der See wäre, wie der Gardasee in Italien, perfekt zum Windsurfen oder Kitesurfen geeignet, da hier der Passatwind ständig weht.

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