25.02.2020 Costa Rica – Junquillal

Von Michaels Haus war es nicht weit zur Grenze und obwohl es noch früh am Morgen war, stand schon eine lange Schlange von LKWs vor der Grenze. Inzwischen sind wir schon geübt und fuhren einfach vorbei. Bei der Ausreise aus Nicaragua waren die neuen Grenzanlagen schon fertig gestellt und es schien alles sehr neu und übersichtlich. Wir stellten uns an den Ausreiseschalter und unterhielten uns mit einer deutschen Rucksacktouristin, die ganz allein bereits alle mittelamerikanischen Länder bereist hatte und meinte, das Reisen hier wäre sehr einfach und sicherheitsmäßig kein Problem.
Leider fühlte sich Holger nicht so gut, er hatte eine Erkältung und dachte er bekäme Fieber. Da wir nicht wussten, ob sie in Costa Rica Fieber messen würden, nahm er erst mal vorsichtshalber ein fiebersenkendes Mittel. Dann suchten wir draußen beim Parkplatz einen Aduanabeamten, der unser Auto kontrollieren sollte. Er kam mit einer Praktikantin die gerade eingearbeitet wurde und so zeigte er ihr erst einmal wie so ein Wohnmobil von innen aussieht und das man viele Schränke öffnen kann. Wohnmobile sind in Zentralamerika so gut wie unbekannt, die Einheimischen übernachten höchstens mal in einem Zelt. Wir wurden öfter unterwegs auf unser Casa Rodante, unser fahrendes Haus, angesprochen und es gibt fast keinen Grenzbeamten, der nicht mal einen Blick hineinwerfen möchte.
Als das erledigt war, gingen wir zu einem Nebengebäude, um den Hund ausreisen zu lassen und da gingen die Schwierigkeiten los. Der Grenzbeamte meinte, es würde ein abgestempeltes Formular von der SEPA Stelle in Rivas fehlen. Das hatten wir uns
ja dort schon gedacht, aber wie können wir einem nicaraguanischen Beamten sagen, was er tun soll. Glücklicherweise hatte er ja schon am Vortag mit just diesem Angestellten gesprochen und rief auch jetzt in Rivas an. Dann entwickelte sich eine lange Diskussion, da wir ja auch das falsche Einreisedokument hatten. Letztendlich erstellte der Grenzbeamte das Formular, wir bekamen es an einer anderen Stelle abgestempelt und konnten gehen. Da es inzwischen fast Mittag war, holte sich Holger ein leckeres Mittagessen von einem mobilen Stand, mit dem es ihn dieses Mal erwischte. So lecker die ganzen Stände auch duften und das Essen aussieht, man weiß nie ob man es verträgt oder nicht.
Wir fuhren weiter zur Einreise nach Costa Rica. Eine weitere
, deutsche Rucksacktouristin sah unser Auto und fragte gleich freudestrahlend, ob wir sie nicht bis in die Stadt Liberia mitnehmen könnten. Das hätten wir sicher gemacht, aber bis die Einreise für uns, das Auto und den Hund erledigt ist, wäre sie wahrscheinlich schon längst mit dem Bus in Liberia. Das war ihr dann auch lieber. Im Bus gibt es auch Klimaanlage und W-Lan, bei uns im Auto herrscht unerträgliche Hitze.
Am Einreiseschalter wartete mal wieder eine lange Schlange,  die aus dem Gebäude heraus und den ganzen Bürgersteig entlang lief. Immerhin gab es drei Abfertigungsschalter und so dauerte es nicht ganz so lange wie es ursprünglich aussah. Dann zum Aduanaschalter, dort brauchten wir wieder einige Kopien, da traf es sich gut, das genau daneben ein Mädel in einem Verkaufsstand mit einem einfachen Kopierer stand. Für drei Kopien zahlten wir 1 Dollar, ich denke das ist ein ganz einträgliches Geschäft. Dann kontrollierte jemand kurz das Auto und eine Beamtin erschien als sie unseren Hund sah und meinte wir müssten dafür 13 Dollar bei der Bank einzahlen. Da die Bank gerade Mittagspause hatte, fuhren wir erst zu einem etwas weiteren Gebäude, bei dem wir dann den endgültigen Tip, also die vorläufige Einreisegenehmigung für unser Auto bekamen. Nicht ohne vorher 48 Dollar zu
bezahlen, für Straßenbenutzungsgebühr und eine Autoversicherung für Costa Rica. Unser Einwand, dass wir schon eine Versicherung abgeschlossen hätten, die auch für dieses Land zählt, wurde ignoriert und darauf hingewiesen, dass jeder diese Versicherung abschließen müsse.
Allerdings hat die Versicherung nur eine geringe Haftpflichtdeckung und im Falle eines Unfalls sind wir mit der anderen Insurance aus Guatemala sicher besser abgesichert.
Dann zurück zur Bank, die inzwischen offen war, die 13 Dollar eingezahlt und damit wieder zurück zur Hundeeinreise. Davor hatten wir am
meisten Angst, da wir so viel Schlechtes darüber gelesen hatten. Aber der befürchtete Drachen am Schalter hatte heute wohl frei und nach Formular erstellen, ausdrucken und stempeln waren wir fertig. Alles in allem wieder 6 Stunden für Ein- und Ausreise.
Aber wie sagte eine Camperin so schön: „Du wurdest nicht gebeten und niemand hat dich gezwungen in diese Länder zu reisen. Aber wenn du herkomm
st, musst du ihre Regeln und Gepflogenheiten akzeptieren.“ Stimmt, aber fällt nur manchmal schwer, wenn uns einiges so sinnlos erscheint. Zum Beispiel hatten wir ständig Probleme mit dem Hund und die Einreise war öfter so schwierig, aber nicht ein einziges Mal hat sich jemand für den Kofferraum unseres Wohnmobils interessiert. Wir hätten alles Mögliche unerkannt durch alle Länder schmuggeln können. Außerdem locken die Grenzen alle möglichen Leute an, die irgendwelche Geschäfte machen wollen, etwas zu verkaufen haben, betteln oder Reisende abzocken wollen, die stürzen sich dann von überallher her auf die ankommenden Autos und LKWs, besonders auf solche, die mit Aufklebern darauf hinweisen, dass sie fremd im Land sind. Es macht wenig Spaß, sich damit herumzuärgern.
Eigentlich wollten wir später noch einmal nach Nicaragua einreisen, da es dort sicher noch schöne Orte zu entdecken gäbe, aber auf
eine erneute stundenlange Ein- und Ausreise hat keiner von uns Lust.
Wir sind froh, jetzt erst mal alle Grenzen passiert zu haben, vier Grenzübergänge in sechs Tagen war
doch etwas zu viel und wir sind froh, jetzt erst mal etwas länger in Costa Rica zu bleiben.
Nach erfolgreicher Einreise fuhren wir noch ca. 3 Stunden bis zum anvisierten Campingplatz an der Küste. Der Platz lag oberhalb einer Klippe und die Aussicht dort entschädigte sofort für alle heutigen Strapazen. Der weitläufige Strand war von Palmen umsäumt, man sah nur vereinzelt kleinere Häuser hinter den Bäumen. Ansonsten waren wir fast allein. Unter unseren Klippen waren Felsen, aber ein paar Schritte weiter weg, war purer Sandstrand mit surfbaren Wellen für Anfänger. Wir fanden es sah hier aus wie in der Südsee, wenn wir die natürlich auch nur von Fotos und Filmen kennen.
Der Campingplatz war bis auf ein kleines Zelt komplett leer, hatte annehmbare Sanitäranlagen und einen günstigen Preis. Hier würden wir auf jeden Fall noch mal für eine längere Zeit herkommen.
Holger schmiss sich gleich in die bereitgestellte Hängematte und war froh, mit seiner Erkältung und seinem verdorbenen Magen den anstrengenden Tag hinter sich gebracht zu haben.


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