21.-22.08.2019 Dawson City

Wie versprochen wechselte Frank zusammen mit Holger am Morgen die vorderen Bremsbeläge. Wir wussten nicht, wann unser Vorbesitzer diese zuletzt ausgetauscht hatte und wir waren inzwischen auch schon fast 18.000 Kilometer gefahren. Vorsorglich hatte Holger einen Satz Bremsbeläge mitgenommen. Der Fahr- und Bremstest nach der Reparatur war positiv, nur die Handbremse zieht noch nicht so wie gewünscht, da müssen wir mal zu einer Mercedes Werkstatt, evtl. in einer größeren Stadt in Alaska.
Während der Reparatur sah ich mir den Phoenix von innen an und wurde schon ein wenig neidisch. Sehr geräumig, 3 Zimmer, Küche, Bad und die Waschmaschine im Staufach. Wenn wir mal in Rente gehen wäre so einer auch nicht schlecht.
Dann verabschiedeten wir uns herzlich voneinander, die beiden sind auch auf dem Weg nach Alaska und wollen danach noch bis Südamerika. Vielleicht treffen wir uns ja noch mal wieder.
Da Dawson City vom Campingplatz gut zu erreichen ist, gingen wir zu Fuß zur Fähre, um uns die Sehenswürdigkeiten dort anzusehen. Die Stadt zwischen Klondike und Yukon River verbindet man wahrscheinlich am stärksten mit dem Goldrausch. Hier in der Nähe, am Bonanza Creek, wurde das erste Gold entdeckt und danach entstand in kurzer Zeit eine Stadt mit zeitweise 40.000 Einwohnern. Als die Goldfunde erschöpft waren, zogen die Goldsucher weiter nach Nome in Alaska, wo inzwischen auch Gold gefunden wurde. Aus Dawson wurde in den folgenden Jahren eine Geisterstadt mit nur noch 500 Einwohnern, bis Parks Canada in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beschloss, die verfallenen Häuser zu erhalten und aufwändig zu restaurieren. Zusammen mit dem Bau des Klondike Highways wurde Dawson City so zu einer Touristenattraktion.
Ich finde die Restaurierung ist sehr gut gelungen, zwischen den alten Häusern, auf den staubigen Straßen und hölzernen Fußwegen durch den historischen Teil kann man die alte Goldgräberatmosphäre ganz gut nachvollziehen. Aber trotzdem spielen dort keine Schauspieler, sondern die Einwohner leben ein ganz normales Leben, natürlich für und mit den Touristen.
Wir gingen zuerst zum kleinen Jack London Museum, dort steht auch die Original Blockhütte des berühmten Schriftstellers, der aus Kalifornien hierher kam um Gold zu finden und seine Erlebnisse später in vielen spannenden Büchern verarbeitete. Das Museum wird von Freiwilligen erhalten und die ältere Dame dort, eine ehemalige Lehrerin, konnte die Lebensgeschichte von Jack London so spannend und authentisch erzählen, das wir alle an ihren Lippen hingen. Sie muss ein großer Fan sein. Zum Abschied versprachen wir, ihr aus Deutschland ein Jack London Buch in Deutsch zu schicken, da sie die Bücher aus der ganzen Welt sammelt.
Danach ging ich noch in das Dawson City Museum, dort zeigte ein Film mit vielen Originalfotografien die Strapazen der Goldgräber überhaupt erst mal hierher zu kommen und danach zu überleben. Im Winter sind hier schon mal bis minus 70 Grad. Nur einige wurden reich, viele verließen die Stadt verarmt oder krank.
Als ich das Museum verließ, fing es an zu hageln und so machten wir noch einen kleinen Einkauf und gingen dann zurück zur Fähre und zum Campingplatz.
Den nächsten Tag verbrachten wir damit uns den sogenannten Discovery Claim am Bonanza Creek anzusehen, an dem Platz wurde von drei Männern das erste Gold gefunden und der Goldrausch ausgelöst. Dort gibt es auch den weltweit größten Goldbagger zu bestaunen. Auf der Straße dorthin liegen am Straßenrand überall aufgetürmte Steine und Kies und man kann sich vorstellen, dass hier jeder Stein schon mehrmals umgedreht wurde auf der Suche nach Gold. Auch heute sind noch viele Claims in Betrieb und Goldgräber immer noch auf der Suche nach dem großen Fund. Es gibt auch einige professionell betriebene Goldminen rund um Dawson.
Um es auch einmal zu probieren, fuhren wir zum Claim 6, der für Touristen zum kostenlosen Goldwaschen frei gegeben ist. Ein Berg von sogenanntem Paydirt, Kies in dem vermutlich noch Goldreste zu erwarten sind, wird dort aufgeschüttet und jeder kann diesen im nebenan fließenden Bach auswaschen. Wir hatten uns in Whitehorse schon eine Goldwaschpfanne gekauft und Holger versuchte sein Glück zwischen den anderen Touristen. Was dort im Sommer auf diesem kleinen Stück los sein muss, kann ich mir lebhaft vorstellen.
Mir war viel zu kalt zum Waschen, ich habe mich immer noch nicht an die kalten Herbsttemperaturen gewöhnt und auch Holger hatte nach kurzer Zeit keine Lust mehr. Wir wollen es später noch mal in Alaska versuchen, aber reich werden wir sicher nicht, dazu fehlt uns einfach die Ausdauer.
Auf dem Rückweg fuhren wir noch zum Midnight Dome, ein Aussichtspunkt hoch oben auf einem Berg, mit toller Aussicht auf die Stadt und den Fluss.
Eigentlich hatten wir jetzt alles gesehen und hätten nach Alaska weiterfahren können, wenn wir nicht noch einige Vorräte im Kühlschrank aufbrauchen müssten. Man darf in die USA neben Drogen, Waffen und Feuerholz, keine frischen Produkte wie Fleisch, Fisch, Obst usw. einführen. Also wollten wir noch den leckeren Yukonlachs aus dem Gefrierfach aufessen und fuhren mal wieder zum gewohnten Campingplatz über den Fluss. Hier muss man im Sommer sicher auch früh da sein, um noch einen Platz zu erwischen. Aber jetzt zur Nebensaison ist immer noch etwas frei, das macht die Planung flexibler.

One thought on “21.-22.08.2019 Dawson City

  1. majo

    da kann man nur viel,viel Erfolg wünschen, bei der weiteren Goldsuche ,auch bald in Alaska !

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