21.-22.01.2020 Patzcuaro

Wie immer war heute ein frühes Aufstehen angesagt, um eine weite Strecke zu fahren. Der Rhythmus hatte sich inzwischen bewährt. Einen ganzen Tag fahren, um dann zwei Nächte an einem Ort zu bleiben, wenn es dort schön ist.  Wir wollten heute ins bergige Inland Richtung Mexico City fahren, und erst weiter südlich wieder den Pazifik zu besuchen. Damit würden wir zwei weitere Bundesstaaten umgehen, die auch als gefährlich eingestuft werden. Besonders die Gegend um Acapulco, im Staat Guerrero soll man möglichst meiden. Der ehemals mondäne Ferienort, gern besucht von Hollywood Schauspielern wird inzwischen von blutigen Machtkämpfen mehrerer Drogenkartelle heimgesucht.
Schon nach kurzer Zeit fuhren wir aus der subtropischen Gegend in eine ganz andere Bergwelt. Hier war die Luft schlagartig wieder kühler. Die Autobahnen waren fast ausnahmslos in einem guten Zustand, allerdings wollten ständig reguläre Mautstellen Beträge zwischen 5 bis 15 Euro von uns. Da wir hinten vier Reifen haben, werden wir als Bus gezählt und die Tarife liegen noch höher. Da wünschten wir uns doch fast die Bauern mit ihren günstigen Summen zurück.
Der auserwählte Campingplatz lag an einem großen See, nicht weit von der Autobahn entfernt, als Zwischenstopp also gut geeignet. Dabei handelte es sich um eine ökologische Ranch, ich hatte den Besitzer schon am Vortag per Mail angeschrieben, damit uns jemand das weit entfernt liegende Tor öffnen konnte. Bisher hatten wir allerdings keine Antwort erhalten und auch auf Telefonanrufe und weitere Mails bekamen wir keine Reaktion. So beschlossen wir schweren Herzens einen 60 km langen Abstecher zu einem anderen Platz zu fahren. Hier in der bergigen Gegend sind Campingplätze nicht so häufig zu finden. Das Ziel war nun ein kleines Hotel mit RV Park in dem Ort Patzcuaro. Als wir endlich dort ankamen war die Sonne schon untergegangen und die Luft empfindlich kalt. Wir suchten uns einen Stellplatz und beim Umsehen entdeckten wir ein kleines Aufenthaltshäuschen mit brennendem Kamin und wurden darin mal wieder von zwei Franko-Kanadiern herzlich begrüßt.  Der pensionierte Polizeibeamte und seine Frau aus Quebec kamen schon seit vielen Jahren hierher und meinten, dieses sei der schönst RV Park weit und breit. Und der Ort Patzcuaro wäre so wunderschön, den müssten wir und unbedingt morgen ansehen. Na das wollten wir gern tun. Die Nacht war erheblich kühler als die vorherige, es hatte nur ca. 10 Grad, da wir uns hier auf ca. 2000 Meter Höhe befanden.
Wir ließen den nächsten Tag langsam angehen und schauten uns erst mal auf dem Gelände um. Aus Lehmziegeln gebaute kleine Häuschen, die man mieten konnte, waren umgeben von liebevoll angelegten Blumen, Sträuchern und Bäumen. Überall blühte und rankte etwas. Blumen, die man bei uns nur aus Blumentöpfen kennt, wuchsen hier in üppiger Größe. Direkt neben unserem Wohnmobil stand ein Orangenbaum, von dem wir uns mit den reifen Früchten bedienen durften.
Dann machten wir uns auf dem Weg in die angrenzende ca. 400 Jahre alte Innenstadt. Patzcuaros Zentrum wird dominiert von einem großen Platz, der Plaza de Quiroga, um den sich koloniale Villen und Gebäude mit weinrot und weiß gestrichenen Fassaden und roten Ziegeldächern gruppieren. Als „pueblo magico“, eine besondere Sehenswürdigkeit Mexicos eingestuft, werden die Häuser restauriert und gepflegt. Zwischen den Häusern und kleinen Gassen herrschte das typisch südländische Treiben von kleinen Marktständen überall auf den Straßen, waghalsig umfahren vom endlosem Straßenverkehr. Sehr sehenswert und mal so ganz anders als wir die mexikanischen Städte bisher kennen gelernt hatten.
Als wir am Nachmittag wieder auf unserem Platz eintrudelten und dem Kanadier von unseren Erlebnissen berichteten, bot er uns spontan an, zusammen mit einigen Freunden zum Abendessen in ein nahe gelegenes Restaurant zu gehen, was wir gern annahmen. Inzwischen war auf dem Platz noch eine belgische Familie mit zwei Kindern eingetroffen, die die gleiche Overlandstrecke wie wir zurück gelegt hatten. Sie waren unterwegs in einem Geländewagen mit zwei Dachzelten und wollten eigentlich innerhalb eines Jahres bis Chile kommen. Inzwischen ist ihnen klar geworden wie viele Kilometer sie dafür noch fahren müssten und werden wohl etwas abkürzen. Die Kinder werden von den Eltern während der Reise unterrichtet (in Belgien ist das möglich) und hatten auch keine Lust mehr immer so viele Kilometer zu fahren. Wir stellten mal wieder gemeinsam fest, das Reisen nicht immer was mit Urlaub zu tun hat und auch Arbeit sein kann.
Nach einem kleinen Aperitif fuhren wir mit zwei amerikanischen und zwei kanadischen Ehepaaren und einem Elsässer zum mexikanischen Restaurant. Es gab ein sehr leckeres viergängiges Menü für 80 Pesos, also 4 Euro pro Person, den Wein hatte sich jeder selbst mit gebracht. Einige der Anwesenden verbrachten nur einige Monate im Jahr in Mexiko, andere waren inzwischen komplett hierher gezogen und es war sehr interessant ihre Erfahrungen mit dem Land und den Einheimischen kennen zu lernen. Ein sehr lustiger und lehrreicher Abend. Fast wären wir noch länger in Patzcuaro geblieben, aber wir haben ja noch einige Ziele vor uns. Wie sagte der Kanadier zum Abschied: „Das gefährlichste an Mexiko ist, das man zu wenig Zeit für das große und vielfältige Land hat.“

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