17.08.2019 Dempster Highway I

Wir mussten es natürlich versuchen. Der Dempster Highway ist die letzte befahrbare Herausforderung hier im Norden. Er startet kurz vor Dawson City und führt ca. 1000 Kilometer über unbefestigte Schotterstraße bis nach Tuktoyaktuk am Polarmeer.
Die Straße unterliegt starken Temperaturschwankungen und ist auf Permafrost gebaut, der im Sommer antaut. Deshalb wurde der Untergrund mit viel Schotter als Isolierung einige Meter höher gelegt. Ganz anders als bei der schnellen Errichtung des Alaska Highway hat der Bau des Dempster Highway über 20 Jahre gedauert und das letzte Stück von Innuvik nach Tuktoyaktuk wurde erst vor kurzem eröffnet. Bis dahin konnten die Einwohner nur im Winter über das zugefrorene Eis auf dem Landweg ihren Ort verlassen. Militärischen Gründe lagen für einen Bau nicht vor und für die paar First-Nation Einwohner, die in den Orten wohnen, gab es keine Eile.
Es wird allen Fahrzeugen ohne Allradantrieb abgeraten, die Straße zu befahren. Das hatten wir schon gelesen, aber es versuchen trotzdem viele. Wir überlegten auch, ein Allradfahrzeug für die Fahrt zu mieten, aber das hätte ca. 1000 $ für 5 Tage gekostet und das war uns zu viel.
In Watson Lake beim Visitor Center hatten wir schon mit der freundlichen Dame über die Befahrbarkeit gesprochen und sie meinte es wäre kein Problem. Allerdings sagte der Wetterbericht letzte Woche nur Regen voraus und dann würde die Straße zu rutschig sein. Daher warteten wir noch ab. Bei Trockenheit besteht die größte Gefahr aus aufgewirbelten Steinen von vorbeifahrenden Autos und LKWs, die die Windschutzscheibe oder Lampen treffen. In Whitehorse gibt es auch in jeder Ecke Werkstätten die auf Scheibenreparaturen spezialisiert sind.
Am besten sollte es sein, nach einem Regenschauer loszufahren, wenn die Straße wieder trocknet. Wir besuchten am Morgen erst mal das Besucherzentrum in Dawson City, um uns den Wetterbericht noch mal anzusehen und mit den Angestellten dort zu sprechen.
Die Aussichten sagten leichte Regen- und Schneeschauer abwechselnd mit trockenen Tagen voraus. Das erschien uns eigentlich ganz passend. Wir wollten wenigstens bis zum 405 km entfernten Polarkreis kommen. Also los. Wir waren sehr gespannt. Die ersten Kilometer waren gar kein Problem. Die Sonne schien, aber die Straße war noch leicht feucht von gestern und ganz normal zu befahren. Es gab auch nur wenig Schlaglöcher oder holprige Stellen. Also genossen wir die Aussichten auf die Landschaft. Nach einiger Zeit kamen die Tombstone Mountains mit ihren zum Teil schneebedeckten Gipfeln in Sicht, in denen auch ein staatlicher Park mit Campingplatz errichtet wurde. Das war uns für einen Zwischenstopp noch zu früh. Also fuhren wir bis zum nächsten Übernachtungsplatz am Engineer Creek nach ca. 200 Kilometern. Es war zwar erst Nachmittag und wir kamen auch gut voran, aber es fing an zu regnen und der nächste Platz wäre noch fast 200 Kilometer entfernt gewesen.
Der einfache Campingplatz war ganz gut besucht, stand aber nach kurzer Regenzeit schon komplett unter Wasser und verwandelte sich in einen einzigen Matschplatz aus schwarzem Schlamm. Wir versuchten in einer Regenpause ein Feuer draußen zu errichten, aber nach kurzer Zeit regnete es wieder.

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