10.-11.09.2019 Haines, Alaska

Die letzte Nacht standen wir auf dem nicht so weit entfernten Yukon Campground am Dezadaesh Lake und verbrachten den Tag damit, auf der Straße nach Alaska vor der Grenze noch einen Zugang zu einem Lachsfluss zu finden, was sich als sehr schwierig und nicht erfolgreich erwies. Zu guter Letzt nahmen wir Kurs auf die Stadt Haines am Pazifik in Alaska, die wir am Abend erreichten. Die Sonne war heute nicht mehr so intensiv, es wurde wolkig und auch kühler. Für die nächsten Tage war auch viel Regen angesagt. In Haines übernachteten wir auf einem RV Park direkt an einer Bucht mit Blick aufs Meer und bummelten am Abend noch durch den kleinen Fischerort. Bei der örtlichen Bibliothek nutzten wir das freie Internet und Holger kaufte ein paar gebrauchte Bücher. In einem Versammlungsraum hörten sich interessierte Einheimische gerade einen Vortrag über die hiesige Bärenpopulation an. Da wussten wir noch nicht, wie sehr der Ort von Bären bevölkert ist. Die Campingplatzbesitzerin meinte auf Nachfrage, die Tiere sind überall in der Stadt. Zurück auf dem Campingplatz nutzten wir noch Waschmaschine und Trockner, um mal wieder ein paar Sachen zu waschen. Wir brauchen echt nicht viel zum Anziehen hier, meistens waschen wir alles durch und ziehen dieselben Sachen wieder an. Nur doof, das wir auf den Fotos hinterher immer gleich aussehen;-)
Am nächsten Morgen fuhren wir an der Meeresbucht hinunter und am Fluss entlang, der über einen See herunter hier ins Meer mündet. Schon auf dem Weg dahin sahen wir viele Leute mit großen Objektiven auf einer Brücke stehen und ins Wasser fotografieren. Wir parkten und gingen dorthin und tatsächlich – direkt unter uns am Flussufer standen zwei Grizzlys und versuchten Lachse zu fangen. Ich fragte die Dame neben mir, ob die Tiere denn niemals hier hoch kommen und sie meinte, erst heute Morgen hätte sie einen Bären auf dem Parkplatz gesehen, wobei sie auf den Platz bei unserem Wohnmobil zeigte.  Als die Grizzlys nach einiger Zeit das Ufer hochgingen Richtung Parkplatz wollten wir doch lieber weiterfahren.
Auf dem weiteren Weg am Fluss entlang, eine enge Straße in sehr schlechtem Zustand, parkten immer wieder Autos und Wohnmobile und überall standen Leute mit Kameras herum. Dazwischen standen Angler am Ufer und im Wasser. Die Straße endete am See, dort befand sich direkt ein staatlicher Campingplatz, auf dem wir heute übernachten wollten. Zuerst hielten wir aber vor dem Eingang, dort war ein großer Parkplatz mit Picknicktischen und einem Steg im Wasser für Boote und Kajaks. Holger wollte von hier aus auch angeln. Wir frühstückten und sahen dem Treiben draußen zu. Andauernd kamen kleine Reisebusse mit Leuten, manche starteten von hier aus eine Kajaktour auf dem See, andere schauten sich nur um oder picknickten. Dann packte Holger seine Angel und ging raus, aber als er gerade zum Ufer ging, kam ihm dort ein großer Grizzly entgegen. Daraufhin holte er seinen Fotoapparat und ging wieder raus, was ich für ziemlich leichtsinnig hielt. Der Bär ging direkt am Wohnmobil vorbei, ich konnte ihn vom Fenster aus gut filmen und am Ufer entlang an den Picknicktischen vorbei zum See. Inzwischen waren alle Leute auf ihn aufmerksam geworden und verfolgten ihn langsam mit ihren Kameras. Scheinbar lassen sich die Tiere hier nicht von den Menschen stören. Aber ob man sich darauf immer verlassen kann? Als der Wirbel dem Grizzly zu viel wurde, verschwand er im Wald Richtung Campingplatz.
Als kein Bär mehr in Sicht war ging Holger doch noch angeln, aber das Wohnmobil immer in der Nähe. Überall sprangen die Lachse aus dem Wasser, aber die meisten Fische hiervon sind Humpback Lachse, die in diesem Stadium nicht mehr empfehlenswert zum Essen sind. Davon fing Holger zwar einige, ließ sie aber wieder frei. Die Angler hier warten alle auf den zweiten Run der Coholachse, die demnächst hier in großen Mengen aus dem Pazifik eintreffen müssen. Dann ist der ganze Fluss voll mit Anglern und Bären. Das erzählte uns ein deutscher Auswanderer aus Whitehorse, den wir beim Angeln trafen.  Der Yukon muss voll sein von deutschen Immigranten, nach Englisch und Französisch ist Deutsch die am häufigsten verbreitete Muttersprache. Während Holger angelte, ging ich mit Hope über den Campingplatz spazieren und suchte schon einmal einen schönen Stellplatz für unser Wohnmobil. Allerdings hatte ich doch ein komisches Gefühl mit dem Wissen, das hier noch vor kurzer Zeit ein Grizzly langgegangen ist. Auch Holger war beim Angeln mulmig, genau auf seinem Trampelpfad zum Wasser lag ein großer Haufen Grizzlykot. Der Fluss lockt hier alle an, die sich für Lachse interessieren, dazu gehören, neben den Bären und den Anglern, auch Weißkopfseeadler und Seehunde, die sich in der Flussmündung tummeln. Möwen und andere Seevögel versuchen ebenfalls etwas von den Resten abzubekommen.

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