08.-09.09.2019 Kluane National Park

Am nächsten Morgen strahlte wieder die Sonne vom Himmel und die Schwäne waren schon auf dem See unterwegs. Neben uns hatte der Biber einen größeren Baum zum Umfallen gebracht, der direkt auf einer Informationstafel landete. Es waren schon einige Bäume rundherum von den Bibern gefällt wurden, wer weiß wie das hier bald aussieht. Wir saßen noch einige Zeit in der Sonne und rafften uns dann endlich auf, das letzte Stück nach Beaver Creek zur kanadischen Grenze zu fahren. Der Grenzübertritt war einfach, kurz die Pässe angeschaut, ein paar Fragen nach Alkohol und Tabak, dann durften wir weiter.
Wir fuhren eine ganze Weile immer mit Blick auf die Berge der Wrangell Mountains und des Kluane Nationalparks und Holger hielt Ausschau nach einer Angelgelegenheit. In Alaska war seine Angellizenz abgelaufen, aber hier im Yukon hat er eine Jahreskarte und wollte es mal in einem Fluss probieren. An einer Stelle die ihm geeignet erschien fuhren wir an den Fluss und er ging los. Als er beim Angeln war, kamen ein paar Leute im Boot an, machten es fest und verschwanden in am Ufer geparkten Autos. Vorher boten sie Holger an, während sie weg sind, ruhig von ihrem Boot aus zu Angeln. Das ist typisch kanadisch, die Leute sind immer sehr offen und hilfsbereit.
Er fing auch nach kurzer Zeit schon einige Äschen. Nachdem er 3 Stück fürs Abendessen entnommen hatte, ging es weiter bis zum kleinen Ort Haines Junction. Dort wollten wir zum großen Visitor Center des Kluane Nationalparks, das allerdings schon geschlossen hatte. So fuhren wir zum staatlichen Pine Creek Campground in der Nähe zum Übernachten. Der Platz war nett angelegt am See, aber gegen letzte Nacht konnte er natürlich nicht anstinken.
Am nächsten Morgen fuhren wir wie geplant zum Visitor Center, dort gab es ein gutes W-Lan und ich telefonierte erst mal mit Carolin und checkte und schrieb ein paar Nachrichten. Eigentlich hätte ich in Kanada wieder ein Telefonnetz haben müssen, aber in der gesamten Gegend hier war überhaupt kein Empfang. Dann erkundigten wir uns noch nach einem schönen Wanderweg in den Kluane Nationalpark und fuhren dorthin.
Der Kings Throne Trail wurde als „most famous, but very steep“ beschrieben und das war nicht übertrieben. Schon nach kurzer Zeit gab es knackige Anstiege im Wald und etwas später über der Baumgrenze noch steilere Stücke über loses Geröll. Schon beim Aufstieg, teilweise mit Händen und Füßen, überlegte ich mir wie ich hier wohl heil wieder runter kommen sollte. Leider hatte ich meine Wanderstöcke nicht mit. Bis zum Kings Throne, also dem Königsthron ging es 5 km in Serpentinen steil nach oben, belohnt mit wunderschönen Ausblicken über die endlosen Wälder des Yukon und über den Kathleenlake im Kluane Nationalpark. In der Ferne entdeckten wir mitten im riesigen unberührten Wald ein kleines rotes Hausdach und überlegten wie es wohl sein müsste, dort ein Haus zu haben.
Bis ganz nach oben zum Gipfel wäre es wahrscheinlich nochmal so weit und steil gewesen wie bis hierher, das wollten wir uns dann doch nicht antun. Also genossen wir die Pause in der Sonne und machten uns dann langsam und vorsichtig an den Abstieg. Obwohl der Weg so beliebt ist, hatten wir in der ganzen Zeit nur drei Paare unterwegs getroffen, sonst waren wir allein. Auf dem Weg nach unten kam uns noch eine Frau entgegen die allein wanderte. Holger ging mit Hope vorweg und es gab das übliche Gespräch nach dem Hund, wie süß, was für eine Rasse usw. Dann die Frage woher kommt ihr, worauf wir meistens sagen: Aus einem kleinen Ort in der Nähe von Hannover.“ Dieses Mal sagte Holger aber: „Aus Osterode“ und die Frau sagte:“Osterode am Harz? Das ist meine Heimatstadt.“ Wir konnten es alle nicht glauben. Da begegnen wir auf diesem einsamen Wanderweg mitten im Yukon Jemanden der in Osterode aufgewachsen und vor einigen Jahrzehnten nach Kanada ausgewandert ist. Angela, so ihr Name, hat auch in all den Jahren noch nie jemanden aus Osterode getroffen. Wir unterhielten uns etwas und sie lud uns ein, doch mal bei ihrem Lebensgefährten Tom vorbei zu schauen. Er hätte gerade Muffins gebacken und würde immer gern vom Yukon erzählen. Sie würde sich auch beeilen (nur kurz zum Thron hoch!) und dann nachkommen. Und sie wohnte genau in dem kleinen Haus im Wald, das wir von oben so bewundert hatten. Wir überlegten, ob wir das wirklich machen sollten, wir wollen uns nicht aufdrängen und Tom wusste ja nichts von seinem Glück. Aber solch einen Zufall konnten wir nicht liegen lassen. Also fuhren wir, nachdem wir endlich heil unten angekommen waren, das kurze Stück zum Haus. Tom ist eigentlich Franke aus Nürnberg, auch schon vor Jahrzehnten ausgewandert, er begrüßte uns ganz herzlich und bot uns Tee und Muffins an. Zu dem sehr schönem Blockhaus mit dem roten Dach, gehörten auf dem Gelände noch einige Lodges für Gäste, die beiden hatten für diesen Sommer das Management übernommen, da der Besitzer es nicht mehr betreiben möchte. Es steht zum Verkauf, zum günstigen Preis von 699.000 kanadischen Dollar. Allerdings ist es zurzeit nicht wintertauglich und kann nur gute 3 Monate im Sommer betrieben werden. Beide sind ansonsten auch Guides für Touristen, im Winter z. B. führen sie Gäste zu den Nordlichtern. Bevor sie sich kennenlernten, hatten sie kanadische Ehepartner und haben hier inzwischen erwachsene Kinder und Enkelkinder. Nach einiger Zeit kam auch Angela nach Hause, wie sie das so schnell gemacht hat, war mir schleierhaft. Aber sie ist sehr durchtrainiert und Tom meinte, das wäre ein kleiner Trainingslauf  für sie. Wir unterhielten uns sehr lange und bekamen einen guten Einblick in das Leben in Kanada und im Yukon. Es war sehr interessant den beiden zuzuhören. Angela fragte, ob wir Lust hätten, mit ihnen morgen zu wandern, aber meine Beine meinten, das wäre zu viel und mit den beiden könnte ich wahrscheinlich auch nicht mithalten. Holger wollte auch noch mal in einem Yukon Lachsfluss angeln. Also verabschiedeten wir uns nach ein paar Stunden, aber diese nette Begegnung wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

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