02.-06.2020 San Augustin

Auch unser nächstes Ziel war nur einige Kilometer weiter südlich am Meer, sodass wir uns Zeit lassen konnten. Wir packten in Ruhe und kühlten uns danach noch einmal am Pool ab. Aber die Wasserqualität hatte bei den vielen Benutzern doch stark nach gelassen.
Auf dem Weg zum nächsten Campingplatz fuhren wir noch in den Ort Pochutla zum Einkaufen. Dort konnten wir auch große Flaschen Wasser für unseren Wassertank kaufen. Ansonsten sind die Straßen dort sehr eng und der Verkehr chaotisch. Leider haben wir vermutlich den Deckel unseres Wassertanks im Einkaufswagen liegen lassen, jedenfalls haben wir ihn nicht wiedergefunden, auch nicht als wir Tage später nochmal bei dem Supermarkt waren. Schade, es war ein guter Deckel, für den wir hier keinen Ersatz bekommen.
Am Abzweig von der Küstenstraße zum Ort San Augustin standen sehr viele Taxis was uns zunächst wunderte. Später erfuhren wir, dass Besucher dort umsteigen, da die einheimischen Taxifahrer die Strecke kennen und daher schneller und sicherer fahren. Die 15 Kilometer bis zum Ort waren wirklich schrecklich ausgewaschen und unglaublich holprig.
Viele Mexikaner haben kein Auto und nutzen daher sehr oft Taxis. Man kann ein Collectivo Taxi nehmen, dann steigen evtl. noch andere zu, oder man zahlt ein Taxi exklusiv für sich allein. In vielen Orten fahren auch Tuk-Tuk´s, wie in Indien, als Taxis herum. Die Strecke von der Hauptstraße bis zu unserem kleinen Ort am Meer war ca. 14 km lang, bei einem vollbesetzten Collectivo (fünf Fahrgäste) zahlt dafür jeder Fahrgast 30 Pesos (1,50€), will man alleine Fahren zahlt man 150 Pesos (7,50€). Einen Taxameter gibt es nicht, Fahrpreise werden verhandelt oder geschätzt.
Jedensfalls waren wir froh, nach unendlichem Geschaukel unten am Meer angekommen zu sein. Auch dieser Campingplatz war eine Empfehlung der Polin Anna, ich hatte aber auch schon die sehr guten Bewertungen auf IOverlander gelesen. Er wird von zwei Holländern betrieben, die auf einer langen Reise durch Nordamerika auf dem Weg nach Südamerika hier hängen geblieben waren. Sie lebten viele Monate im Ort und entschieden dann, ein Grundstück am Meer zu kaufen. Als ihnen später das Nachbargrundstück auch noch angeboten wurde, eröffnetem sie einen Overlander Campingplatz. So wie es aussieht wird er sehr gut angenommen und alle fühlen sich wohl dort. Als wir auf die Frage: „Wie lange wollt ihr bleiben“, mit: „2-3 Tage“ antworteten, meinte Frans, der Besitzer: Dann bleibt ihr wahrscheinlich 5 Tage, so geht es den meisten.“ Und er hatte Recht. Es war einfach wunderschön. Vom Platz aus sieht und hört man das Meer, es sind nur ein paar Schritte bis zum Wasser, das hier endlich einmal super zum Schwimmen und Schnorcheln geeignet ist.
Die Wohnmobile stehen sehr dicht zusammen, ohne Möglichkeit auf Privatsphäre, aber das ist auch so gedacht, damit alle zusammen an einer langen Tafel sitzen, essen und sich unterhalten. Das wird reichlich genutzt und man erfährt viel Informatives. Als wir dort waren, übernachteten noch 2 Belgier, 2 Amerikaner aus Florida und eine Australierin mit ihrem deutschen Mann (der in Australien lebt). In zwei Zelten campten noch ein Argentinier, (der auf Ibiza lebt), und eine Nepalesin (die in Californien lebt) mit ihrem kanadischen Freund. Sehr gemischt und total interessant. Alle Wohnmobilbesitzer, außer uns, hatten schon viele Jahre Nord-, Mittel-, und Südamerika bereist und so bekamen wir tolle Tipps für die noch vor uns liegende Strecke. Das belgische Ehepaar beeindruckte mich am meisten, sie entschieden vor ca. 15 Jahren auf Reisen zu gehen, nachdem der Mann einen schweren Unfall und zwei Herzinfarkte überlebte. Da er im Rollstuhl sitzt, fährt er in einem umgebauten Allradfahrzeug mit seiner Frau überall hin. Nach vielen Jahren sind sie inzwischen etwas ruhiger geworden und bleiben auch mal sechs Monate in Belgien zwischendurch. Elli, seine Frau hat ein unglaubliches Gedächtnis und kann sich an fast alle Strecken und Orte erinnern an denen sie waren. Auch die anderen beiden Paare waren schon Jahre in den Amerikas unterwegs und hatten ein großes Wissen. Viele Langzeitreisende scheinen sich auch untereinander zu kennen und treffen sich an den bekanntesten Campingplätzen immer mal wieder.
Da wir hier länger bleiben wollten und das Meer nur niedrige Wellen hatte, lohnte es sich endlich mal wieder das Kanu aufzubauen. Wir fuhren in nahe gelegene Buchten zum Schnorcheln und sahen viele tropische, farbenfrohe Fische. Als Holger am letzten Tag nochmal mit dem Schlauchboot rausgefahren ist, um den Sprit vom Bootsmotor leerzufahren, konnte er einen Wal (wahrscheinlich einen Grauwal) 20 m von seinem kleinen Boot entfernt beobachten. Außerdem sieht man auf dem Meer fliegende Mantarochen aus dem Wasser springen und wie ein nasser Lappen wieder landen.
Holger konnte mit dem Besitzer zum Fischen rausfahren und angelte einen schwarzen Thunfisch, der ein sehr leckeres Abendessen abgab. Einen Abend gingen wir mit den Belgiern in ein nahegelegenes Restaurant und es gab ganz frische Shrimps, wie immer am Strand mit Blick auf das Meer.
Komischerweise zeigte diese Bucht nach Osten und so sah man morgens, wenn man vor Hitze sowieso nicht schlafen konnte, einen wunderschönen Sonnenaufgang. Zwischendurch spazierten wir in dem kleinen Dorf umher, der eigentlich nur aus vielen Palapa Restaurants bestand. Da die Bucht aber so schön ist und super geeignet zum gefahrlosen Schwimmen, kommen täglich viele Besucher vorbei. Ganze Reisebusse fahren die miserable Straße herunter. Zusätzlich kommen, von einem in der Nähe gelegenen Ort, täglich Ausflugsschiffe in die Bucht. Aber es ist alles noch erträglich. Ich befürchte jedoch, dass es in einigen Jahren hier ganz anders aussehen wird. Wenn jemand beschließt, die Straße zu begradigen und zu asphaltieren, werden viel mehr Touristen kommen. Neben dem Campingplatz war bereits ein dreistöckiges Hotel im Rohbau, es steht zu Erwarten, dass viele andere folgen.
Aber wir haben das Paradies noch einige Tage genießen dürfen und ich hatte gar keine Lust weiter zu fahren. Ich glaube, hier waren wir bisher am längsten auf unserer Reise. Wir haben den Besitzern gesagt, sie möchten uns anrufen, wenn sie keine Lust mehr haben, wir würden sofort übernehmen;-)

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