14.-15.02.2020 Guatemala, Sipacate

Der geplante Grenzübergang öffnete um 8:00 Uhr und wir waren kurz danach da, um genug Puffer für die restliche Strecke zu haben. Wir waren etwas angespannt, da wir nicht wussten was uns an den Grenzen und in den kommenden Ländern erwarten würde und hofften aber, in einer guten Woche unversehrt in Costa Rica anzukommen. Mexiko zu verlassen war ganz einfach, wir parkten vor der Grenze und gingen zur Immigration. Dort gaben wir unsere Touristenkarten ab und bekamen dafür einen Ausreisestempel in unseren Pass. Eigentlich müssten wir unser Auto auch abmelden, da wir aber kein Pfand hinterlegt haben bei der Einreise und unsere vorläufige Autoeinfuhr 10 Jahre gültig ist, wollten wir uns die Möglichkeit, bei evtl. Schwierigkeiten wieder zurück zu fahren, offen halten. Danach fuhren wir zum Übergang, ein Beamter schaute kurz in den Kofferraum und wir konnten passieren. Über eine Brücke erreichten wir die guatemaltekische Grenze und da herrschte komplettes Chaos. Vor den Häusern versuchten Leute an kleinen Ständen alles Mögliche ess- und trinkbare zu verkaufen. Dazwischen lungerten jede Menge Männer herum, auf was die warteten erschloss sich mir nicht. Viele „Helfer“ versuchten, uns ihre Dienste aufzudrängen, die wir erst mal abwimmelten. Wir fanden in der Enge nicht mal einen Parkplatz, bis uns ein Helfer den Weg zu einer Parkmöglichkeit zeigte. Der Platz war eigentlich das Ende eines Schrottplatzes, was uns nicht gerade ein gutes Gefühl gab. Der freundliche Helfer wich danach nicht mehr von unserer Seite und nachdem wir im Gewusel nicht mal ausmachen konnten, wo genau wir hinmussten, gaben wir nach und nahmen seine Hilfe an. Er sah eigentlich ganz nett aus und wollte nur 5 Euro dafür. Zuerst also wieder Immigration, Formular ausfüllen, Einreisestempel in den Pass. Dann mussten wir jede Menge Kopien von den Papieren machen, von denen einige völlig überflüssig waren. Dann fuhren wir mit unserem Helfer zum Grenzübergang und steckten dort für ganze 3 Stunden fest. Der für uns zuständige Grenzbeamte war wahrscheinlich der korrekteste in ganz Guatemala und er brauchte ewig, eine Art Einreisedokument für unser Auto anzufertigen. Mit den deutschen Zulassungspapieren kam er nicht zurecht und musste ständig nachfragen oder mit Google übersetzen. Dann schaute er sich das Auto genau an, checkte Model, Kennzeichen und Fahrzeugnummer. Zum Beispiel überlegte er sehr lange, ob er bei der Farbe des Autos wirklich weiß eintragen könnte, da wir doch blaue Streifen haben. Dabei war er aber immer nett und freundlich zu uns. Unser Helfer hatte zwischendurch schon den zuständigen Beamten für den Hund organisiert, der vorbei kam, Hope sehr niedlich fand und in kurzer Zeit ein Einreisepapier erstellte. Nach ewiger Warterei bekamen wir dann den Aufkleber auf die Windschutzscheibe und konnten fahren. Unser Helfer hatte sich das wahrscheinlich auch etwas schneller vorgestellt, aber wir gaben ihm ein großzügiges Trinkgeld. Und dabei wählten wir extra diesen Grenzübergang, da er lt. Aussage von anderen Overlandern der unkomplizierteste sein sollte. Das ließ nicht hoffen für die nächsten Länderüberquerungen und davon haben wir noch 5 vor uns.
Jetzt war es also schon nach Mittag und wir vor uns lag noch eine große Strecke bis zu unserem heutigen Ziel. Aber nur ein paar Kilometer weiter wurden wir von einer Polizeikontrolle gestoppt und alles ging von vorne los. Der Polizist studierte alle Papiere sehr genau, bevor er uns fahren ließ.
Die Straßen waren bis auf einige Abschnitte gut zu fahren, viel besser als in Mexiko und es gab viel weniger Topes, so kamen wir ganz gut voran und erreichten vor dem Dunkelwerden noch unser heutiges Ziel. Der Ort hieß Sipacate und lag am Meer, der Campingplatz war eigentlich ein Surfhostel und wurde von einem vor 10 Jahren ausgewandertem Franzosen betrieben.
Kurz vor dem Ziel stoppten wir noch mal in einem Ort an einem Kiosk, um Eiswürfel für unsere Kühlbox zu holen. Die Eiswürfel gab es in dem Laden, bei dem Holger gefragt hatte nicht, stattdessen schickte man ihn von dort ein bischen weiter die Straße herunter wo eine frau in ihrem Gefrierfach einfach Plastiktüten voll Wasser eingefroren hatte. 4 Quetzales für 4 Tüten. Es war Freitagabend und jede Menge los, hier gab es viel mehr Motorräder als Autos, auf denen ganze Familien Platz fanden. Schutzhelme sind eher unüblich und wir sahen schon Ehepaare mit 3 Kindern auf einem Motorrad. Babys werden einfach auf dem Arm gehalten, das war auch in Mexiko schon üblich und ich versuche mir nicht vorzustellen was da bei einem Unfall passieren kann. 
Das Surfcamp hatte zu unserer Freude einen großen Pool und nachdem wir uns im letzten Licht noch den Strand angesehen hatten, entspannten wir sehr lange im Wasser. Greg, der Besitzer war sehr nett und er erzählte uns von seinen Problemen in Guatemala. Leider sagte auch er, dass er den Einheimischen nicht trauen würde und von diesen schon mehrmals überfallen wurde. Er wurde auch schon öfter von seinen Nachbarn beklaut, sodass er eine hohe Backsteinmauer mit Stacheldraht und einbetonierten Scherben errichtet hat. Jetzt fühlt er sich sicherer, sagt er. Ich würde mich dort nicht wohlfühlen, aber wahrscheinlich kann er das, was er sich aufgebaut hat, nicht einfach verlassen. Er liebt es zu surfen und hatte hier einen langen Surfstrand direkt vor seiner Tür. Holger versuchte es auch am nächsten Tag. Der Strand besteht hier aus schwarzem Sand, was mir nicht so gut gefällt. Zusätzlich störte mich der viele Müll der überall herum lag, noch mehr als in Mexiko und von streunenden Hunden nach Essbaren durchsucht wurde.
Am Strand war es sehr heiß, statt einer kühlenden Meeresbrise wehte uns heißer Wind ins Gesicht. Heute am Samstag war viel los, da die Einheimischen auch frei hatten. Ausländische Touristen schien es hier in der Gegend nicht so viele zu geben. Auch der Swimmingpool auf dem Campingplatz war gut besucht, Greg kassiert Eintritt für die Benutzung und Familien machen sich einen schönen Tag mit Strand- und Poolbesuch. Neben dem Schwimmbad gibt es ein Restaurant, das von zwei guatemaltekischen Frauen betrieben wird. Da wir beschlossen hatten, noch eine weitere Nacht zu bleiben, aßen wir dort zu Abend. Das gesamte Essen, eine große Fischplatte, wurde auf einem Holzfeuer gekocht, selbst die Pommes frites. Es dauerte sehr lange, da alles frisch zubereitet wurde, war aber sehr lecker. Am nächsten Morgen verließen wir früh den Platz, als gerade ein ganzer Schulausflug mit Eltern ankam.

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